WordPress übersetzen — Mein Fazit des Global Translation Day

Letzten Sonntag war der Global Trans­la­tion Day für Word­Press. Im Vorfeld hatte ich schon recher­chiert und gelesen, wie man Plugins selbst über­setzen kann und auch versucht durch Glot­press durch­zu­steigen. Zu Glot­press und den Über­set­zungen dort hatte ich eine Reihe Fragen und hoffte am 24.04.2016 Antworten darauf zu bekommen. Auch den Einstieg bei Slack hatte ich bereits erfolg­reich gemei­stert. Remote sollte ja möglich sein, war ja als welt­weites Event ausge­rufen.

Wegen eines Plugins, für das ich gerne eine Über­set­zung hätte oder auch machen würde, hatte ich schon vor einigen Wochen ange­fangen, mich mit Plugin-Über­set­zung bei Word­Press zu beschäf­tigen. Keine einfache Sache, durch alle Links, Hand­bü­cher, Glossare etc. durch­zu­steigen, wenn man wie ich noch keinerlei Kontakt mit dem Über­setzen von Word­Press hatte. Auch die Ober­fläche von Glot­press ist nicht gerade selbst­er­klä­rend. Daher kam mir der Global Trans­la­tion Day gerade recht.

Plugin-Übersetzung, 1. Versuch

Mein erster Versuch war nun besagtes Plugin, das das Inter­esse bei mir ausge­löst hatte. Auf der Plugin-Seite gibt es zwar einen Button „Trans­late plugin“. Wenn man den aber anklickt, kommt man auf eine Seite, die einfach nur sagt: „Not found“. Sonst nichts. Kein warum, kein was man nun tun kann. Nichts. Warum es den Button auf der Plugin-Seite gibt, erschliesst sich mir bisher nicht.

Ich stellte die Frage nach dem fehlenden Plugin im Slack-Channel während des Contri­butor-Day vom Word­camp Nürn­berg. Das brachte mich aber kein Stück weiter. Wenn das Plugin grund­sätz­lich für Loka­li­sa­tion ausge­legt sei (was es meiner Meinung nach ist), dann würde es beim näch­sten Commit des Autors auto­ma­tisch in Glot­press auftau­chen. So die Antwort. Da das Plugin zwar nicht gerade eben erst, aber zuletzt vor acht Monaten aktua­li­siert wurde, hätte es eigent­lich als Über­set­zungs­pro­jekt bereits da sein müssen. Aber gut, da hatte ich wohl einfach Pech gehabt. Ambi­tionen mir hier weiter­zu­helfen oder das Proze­dere zu erklären, hatte in dem Slack-Channel niemand. Virtu­elles Achsel­zucken. Die Kommu­ni­ka­tion schien offen­sicht­lich eher persön­lich in Nürn­berg vor Ort statt­zu­finden und eben nicht online.

Plugin-Übersetzung, 2. Versuch

Nun hatte ich aber grund­sätz­lich Gefallen an der Sache mit dem Über­setzen und der Betei­li­gung an einem Open­So­urce Projekt gefunden. Daher suchte ich mir das nächste Plugin — Edit Flow. Hier war gerade nach Jahren eine neue Version mit frischer deut­scher Über­set­zung erschienen, bei der ich ein paar Fehler gesehen hatte. Ein Blick in das Glot­press-Projekt zeigte aber, dass die in meinem Backend zu etwa 80–90% voll­stän­dige und wirk­lich schöne deut­sche Über­set­zung bei Glot­press gerade mal einen Stand von 9% hatte. Faktor 10 Unter­schied! Das verstand ich nicht und stellte die Frage (wieder im Slack-Channel) am Global Trans­la­tion Day — und war und bin immer noch entsetzt über die Antwort.

Sinn­gemäß ist das nämlich folgendes: Die Über­set­zungen der Plugin-Entwickler werden nicht — gar nicht — in den Über­set­zungs­pro­jekten berück­sich­tigt. Dort wird bei allen Plugins bei Null ange­fangen, sofern sich nicht jemand findet, der die vorlie­gende Über­set­zung hoch­lädt. Die Frage, wer das hoch­laden kann, bekam ich leider im Slack-Channel nicht beant­wortet. Ich vermute aber, dass es nur die Global Trans­la­tion Editors sind. Da ich eine andere Konver­sa­tion im Slack Channel zu einer Frage nach der formellen deut­schen Über­set­zung mitver­folgt habe, scheint das Hoch­laden ganzer Über­set­zungs­da­ten­sätze aus Angst vor maschi­nellen Über­set­zungen gene­rell nicht gewünscht zu sein.

Doppelte Arbeit, schlimmstenfalls mit Verschlechterung der Qualität

Soweit so gut. Dann macht man halt in dem Über­set­zungs­pro­jekt bei Word­Press doppelte Arbeit. Ich muss mich ja nicht betei­ligten. Besorg­nis­er­re­gend finde ich aber, dass die Über­set­zung eines Plugins aus Glot­press, wenn sie voll­ständig ist, mit dem näch­sten Über­set­zungs­paket ausge­spielt wird und schlimm­sten­falls eine gute Über­set­zung des Entwick­lers mit einer mittel­mä­ßigen aus der Commu­nity über­schreibt. Keine Frage, dass Über­set­zungen aus der Commu­nity lang­fri­stig quali­tativ eine gute Sache sind. Aber gerade am Anfang und vermut­lich bei Plugins, die nicht so verbreitet sind auch dauer­haft, wird die Qualität der Über­set­zung erstmal sinken.

Eine Gefahr sehe ich beson­ders bei Plugins mit spezi­ellen Funk­tionen und fach­spe­zi­fi­schem Voka­bular, bei denen der Über­setzer unbe­dingt das Fach­vo­ka­bular in Ausgangs- und Ziel­sprache kennen sollte. Hier wird es eine Über­gangs­zeit geben, in denen die Commu­nity-Über­set­zung erstmal besten­falls mittel­mäßig sein wird. Die Frei­gabe-Zeiten, die ich am Global Trans­la­tion Day mitver­folgt habe, können eigent­lich keine fach­liche Prüfung der Über­set­zung erlauben, sondern nur ein grobes Durch­schauen sein, ob die Vorgaben aus dem Hand­buch an sich beachtet wurden.

Zusätz­lich besteht aus meiner Sicht eine weitere Gefahr bei Plugins und Themes, die in der Basis-Version kostenlos sind, aber mit bezahlten Addons erwei­tert werden können. Hier befürchte ich, dass die Über­set­zungen der freien Version im Repo­si­tory und den bezahlten Addons ausein­ander laufen. Ich als Nutzer habe dann womög­lich in einem Plugin oder Theme plötz­lich unter­schied­li­ches Voka­bular für die glei­chen Dinge. Ich denke da zB an das Theme „Gene­rate­Press“, das über ein Plugin erwei­tert werden kann. Das Plugin erwei­tert aber im Grunde genommen nur den Theme-Custo­mizer, ist also direkt in die Ober­fläche des kosten­losen Themes inte­griert.

Mein Enthu­si­asmus mitzu­wirken kühlte am Global Trans­la­tion Day voll­ständig ab. Ich enga­giere mich gerne, aber nicht um nur aus Prinzip eine Arbeit zu tun, die andere bereits gut oder sogar besser getan haben. Was ich zusätz­lich befremd­lich fand, war die Antwort auf meine Frage, wie es denn mit den Credits für den ursprüng­li­chen Über­setzer eines Plugins sei, wenn eine Über­set­zungs­datei nach Glot­press hoch­ge­laden würde. Gar nichts. Er wird dort nicht genannt, war die Antwort. Wenn man bedenkt, dass jeder, der auch nur einen winzigen String über­setzt hat, auf der Seite des Über­set­zungs­pro­jektes nament­lich geli­stet wird, finde ich das unfair gegen­über denen, die gute Über­set­zungs­ar­beit gelei­stet haben.

Fazit

Mein Fazit des Global  Trans­la­tion Day war daher, dass ich alle meine Word­Press-Instal­la­tionen auf Englisch umge­stellt habe. Das werde ich auch sicher­heits­halber so lassen, bis sich das Über­set­zungs­thema bei Word­Press in — ich schätze mal etwa 2 Jahren — einge­pen­delt haben wird.

Betei­ligen werde ich mich an den Über­set­zungen vorläufig nicht. Ich arbeite gerne an einem Open Source Projekt mit, aber nicht, wenn man sich dort aus Prinzip doppelte Arbeit macht.

Außerdem ist Betei­ligen von remote schwierig, denn es scheint zu gelten: Klar, alle können von überall aus remote mitma­chen, am besten vor Ort bei einer Contri­butor-Veran­stal­tung. Der Slack-Channel war gerade von remote nach meinen Erfah­rungen kein geeig­neter Kommu­ni­ka­ti­ons­kanal zum Einsteigen.

Wer sich trotzdem für’s Über­setzen von Word­Press inter­es­siert, findet in der Podcast-Folge PW010 vom Press­werk eine gute Über­sicht.

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